<empty>  
<empty>  
<empty>  
 


<empty> Dienstag, 19. Juli 2005
 
Der Abschlussjahrgang der Berufswahlschule Bülach feierte zwei Tage lang den Schulabgang
  Nur nicht mit Schlabberhosen zum Vorstellungsgespräch
   
  Bülach — Das Schuljahr war voller Emotionen für Lehrer und Schüler. Nun feierte die Berufswahlschule Bülach den wohlverdienten Schritt in die Berufswelt.
   
 
Sie haben alle das ECDL-Diplom, den Europäischen Computer Führerschein, erworben. (Bilder: zvg)


  von Vanja Mustur

Obwohl die Abschlussparty, welche unter dem Motto «Hollywood» gestanden hatte, sicherlich ihre Spuren bei den Teenagern hinterliess, fanden sich die Schulabgänger dennoch am Freitag in der Berufswahlschule (BWS) in Bülach für die Diplomvergabe ein. Von den anfänglich 141 Schülerinnen und Schüler fanden 132 einen Ausbildungsplatz in einer Unternehmung. Walter Fehr, Leiter der BWS Bülach, erklärte, dass nur gerade neun Jugendliche weiterhin auf der Suche nach einer Lehrstelle seien.

«Aus disziplinarischen Gründen mussten wir leider ein paar Unruhestifter ausschliessen, welche gewisse Verhaltensregeln nicht respektieren wollten. Fünf besuchen nach diesem Zwischenjahr zusätzlich einen Motivationskurs und vier suchen immer noch nach einem Arbeitsplatz.» Der Motivationskurs wird von der Arbeitslosenversicherung finanziert. Diese Investition soll bewirken, dass die Jugendlichen im Laufe des Berufslebens die Arbeitslosenversicherung möglichst selten konsultieren. Es ist für die Arbeitslosenkasse billiger, jetzt etwas Geld zu investieren, als später über einen langen Zeitraum Finanzhilfe leisten zu müssen.

Einstellung der Schüler

Die Berufswahlschule unternimmt gemäss Fehr alles in ihrer Macht stehende, damit die 16- bis 18-jährigen Schüler bis Abschluss des Schuljahres einen Ausbildungsplatz gefunden haben. «Glücklicherweise verfügt die BWS über ein gutes Beziehungsnetz.» Die Schüler müssten aber auch ihren Beitrag dazu leisten: «Es gibt meiner Meinung nach drei Gründe, warum die Jugendlichen keine Arbeitsstelle finden. Erstens waren sie zu lange auf ihren Traumberuf fixiert und haben es verpasst, die Realität einzugestehen.» Zweitens hätten gewisse Eltern und Jugendliche zu hohe Ansprüche. «Einer meiner Schüler verfügte bereits über eine feste Zusage für einen Ausbildungsplatz in Winterthur, doch die Mutter wollte auf keinen Fall, dass ihr Sohn 45 Minuten im Zug von Bülach nach Winterthur sitzen muss.» Der dritte Grund ist gemäss dem Schulleiter die Unreife der Schüler: «Es kann nicht sein, dass gewisse Schüler mit einer Baseballkappe und Schlabberhosen zu einem Vorstellungsgespräch erscheinen.»

Lehrstellenmangel

Walter Fehr bestätigte, dass im Kanton Zürich akuter Lehrstellenmangel herrscht: «Wir haben ungefähr 1000 Lehrstellen zu wenig in unserem Kanton.» Andererseits stellt der Schulleiter fest, dass in anderen Segmenten durchaus Lehrstellen zu bekommen wären, räumte allerdings ein, dass in jenen Sparten wie Bauberufen die körperliche Belastung sehr gross sei.

Hochkonjunktur

Die BWS gehört zu den wenigen Unternehmungen, die auf den ersten Blick von der Wirtschaftskrise profitiert: «Unsere Schule ist dann zwar ausgebucht, aber es gibt auch weniger Lehrstellen und wir befinden uns mit den vielen Abgängern in der schwierigen Lage, für alle einen geeigneten Platz zu finden.» Im Moment habe man alle Klassen füllen können.

Soziale Ungerechtigkeit

Der Schulleiter ist sich darüber im Klaren, dass sich nicht jede Familie das Schulgeld für die BWS leisten kann. «Das Schulgeld liegt im fünfstelligen Bereich. Die Kreisgemeinde Bülach erklärt sich bereit, die Jugendlichen in dieser Übergangszeit finanziell zu unterstützen.» Fehr fügte gleichzeitig an, dass nicht alle Gemeinden bereit seien, in die Jugend zu investieren. «Es ist ungerecht, dass der Wohnort darüber entscheiden soll, ob man sich gewisse Schulen leisten kann oder nicht.» Darum habe sich der Kanton eingeschaltet und will mit der Harmonisierung der Schulgelder bis ins Jahr 2007 diese Ungerechtigkeit beseitigen.

Walter Fehr musste dieses Jahr mit Enttäuschung eine gewisse Konsternation der Jugendlichen zur Kenntnis nehmen. «Die Schüler gewöhnen sich am Ende des Jahres daran, keine Lehrstelle ergattert zu haben. Leider wissen sie auch, dass sie auch im Falle der Arbeitslosigkeit nicht im Stich gelassen werden.» Die Schule versucht diesem Trend entgegenzuwirken. Die Schüler müssen begreifen, dass sie bereits mit zarten 16 Jahren in der Arbeitslosigkeit verschwunden sind und dies gravierende Folgen haben könne. «Bei den Teenagern, welche die Schule selbst finanzieren oder von den Eltern unterstützt werden, ist die Motivation weit höher, wie wenn der Staat für die Schule aufkommt.»

Durchschnitt

Der Durchschnitt aller Klassen betrug in diesem Jahr 4,4. Miriam Zürcher, Valerio Volpe, Jennifer Arnold und Nadine Truong gehörten mit einem Notendurchschnitt von 5,3 zu den erfolgreichsten Abgängern.