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 Samstag, 20. März 2004
BÜLACH / Informationsabend an der Berufswahlschule
Berufswahl - Berufsqual(ifikation)
Am letzten Donnerstag fand in der Berufswahlschule (BWS) eine Informationsveranstaltung zum Thema «Attraktive Hilfestellung für die Berufswahl» statt. Referenten und BWS-Schüler zeichneten ein Bild der aktuellen Lehrstellensituation.
Martin Allemann
 
Natascha Hansen (von links), Omar Najari, Nadja Kovacs, Dominic Enzler und Pierina Da Costa, Schülerinnen bzw. Schüler der Berufswahlschule Bülach, haben sich bereits für ihren Lehrberuf entschieden. (alm)
 
Emil Giezendanner, Präsident des Beratungs- und Informationszentrums für Aus- und Weiterbildung des Bezirks Bülach (BIZ), begrüsste die sehr zahlreich erschienenen Lehrkräfte, Gewerbler und Interessierten und zitierte eine kurze Textpassage aus dem Berufswahlbuch für Knaben aus dem Jahre 1948. Darin heisst es: «Man trifft Menschen in guten Berufen, die schlecht verdienen, und gut Verdienende, die in ihrem Beruf unglücklich sind.» Es gebe also nicht so genannt «gute oder schlechte Berufe», sondern noch etwas anderes als das Kriterium des Salärs, für welche Lehre oder Ausbildung man sich entscheidet.

Breit abgestützte Hilfestellung

Es gehe um eine sehr persönliche Angelegenheit bei der Wahl der beruflichen Zukunft, so Werner Scherrer, Präsident des Bezirksgewerbeverbandes. Deshalb seien Nähe, Zusammenarbeit und Kontakte wichtig. Die KMUs würden eine breite Palette von stabilen Lehrstellen anbieten. Scherrer ist überzeugt, dass die Berufslehre im Ausbildungssystem einen wichtigen Stellenwert hat, was auch im Ausland positiv erkannt werde. Gerne würden aber der Lehrstellenmangel und die Meinung, Ausbildungsplätze könnten nicht passend besetzt werden, gegeneinander ausgespielt.

«Wichtig ist es, dass wir nach der Schule einen breiten Angebotsfächer auftun und die Jugendlichen bei der Entscheidungsfindung unterstützen», ist Scherrer überzeugt. Sylvia Meyer, Geschäftsführerin des Gewerbeverbandes Zürich, hat sich überlegt, welche Fähigkeiten Schulabgänger nicht mitbringen. Denn trotz Checks und Zeugnissen tun sich die Lehrbetriebe in der Beurteilung der Lehrstellensuchenden schwer. Deshalb hat sie in einem Team berufsspezifische Kompetenzprofile geschaffen, um ein Instrument in den Händen zu halten, das Lücken schliesst und Chancen öffnet.

Bisher wurden für 48 Berufe solche Profile mit jeweils 241 Fragen erarbeitet. Sie helfen den Jugendlichen, ihre Stärken und Schwächen besser einzuschätzen und allfällige Mankos zu beheben. Das Verfahren trägt dazu bei, dass Schülerinnen und Schüler bessere Chancen haben, denjenigen Beruf zu erlernen, den sie wirklich möchten. Dieses neue Instrumentarium steht kostenlos zur Verfügung und ist über das Internet unter www. kgv.ch abrufbar oder auf CD erhältlich.

Schülerinnen und Schüler der Berufswahlschule Bülach führten in einem kurzen Rollenspiel vor, wie sie das Berufefinden erlebt haben. So hätten Eltern oft eine klare Vorstellung, wofür sich die Jugendlichen zu interessieren haben. Oft würden sich die Schulabgänger unsicher und überfordert fühlen, das für sie Richtige zu finden. Auch für BWS-Schülerin Pierina Da Costa kam alles sehr kurzfristig. «Erst wollte ich Grafikerin werden und entdeckte erst später meine wirkliche Leidenschaft, die Chemie», erzählt sie.

«Ein solcher Berufswahlwechsel ist typisch», erklärt Walter Fehr, Leiter der BWS. Mehr als 50 Prozent der Jugendlichen haben sich während des einen Jahres umorientiert. «Unsere Aufgabe ist es, mit einer grossen Anzahl Teilqualifikationen bessere Startpflöcke zu graben.»

Der Berufs- und Laufbahnberater Bruno Kägi erklärte, dass oft das Entwicklungspotenzial von Berufen unterschätzt werde, und gab ausserdem zu bedenken, wie angespannt die Situation im Lehrstellenmarkt sei. Zu oft würde politisiert statt gehandelt. Er hofft, dass mindestens bei der Diagnose der Probleme künftig Einigkeit herrsche, das Therapieren sei eh genug schwer.
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